Detailliert betrachtet

Wer wir sind.

„Ja, habt ihr denn ewigen Fasching?“ meinen viele Mitmenschen, wenn sie uns in vollem „Ornat“ sehen.

„Oh je, die ewig Gestrigen!“ meinen andere, wenn wir erklären, dass wir einem Ritterbund angehören.

Um den Wissensdurstigen ein wenig Klarheit zu verschaffen, bemühen Wir Uns um Aufklärung in dieser Angelegenheit durch die folgende Abhandlung.

Aus der Sicht der Vereinsbehörde (= rein rechtliche Sicht)

§ 2: Zweck des Vereins

Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, bezweckt Sitten und Gebräuche des alten Rittertums nachzuahmen sowie Freundschaft, Geselligkeit und Humanität zu pflegen.

 

Aus der Sicht der Mitglieder (= menschliche, praxisbezogene Sicht)

a.)    Der innere Antrieb

Die Ausgangssituation

Wir leben heute in einer Welt des großen Umbruchs, hervorgerufen durch immer schnelleren Wandel in vielen Bereichen.

In der Wissenschaft und samt Technik vollzieht sich die Wissensvermehrung immer schneller, sodass der Einzelne nicht mehr alles wissen kann. So wird er zwangsläufig zum „etwas glauben Müssenden“. Dass diese Situation auch Scharlatane ausnützen um Gewinne zu schöpfen, liegt auf der Hand.

Im Bereich der Arbeitswelt wird die Lage immer unstabiler, von gesicherten Arbeitsplätzen – und damit einer relativ gesicherten Zukunft – kann keine Rede mehr sein.

Der finanzielle Bereich wird heutzutage schon global gesteuert und ist von Zockern und Schmarotzern durchwachsen. Damit ist auch hier keine Sicherheit mehr gegeben.

Der medizinische Bereich wird ebenfalls zu einem großen Anteil von Pharmagiganten gesteuert, die nur Profit und weniger die Gesundheit der Menschen im Visier haben. Die Nahrungsmittelindustrie verstärkt mit dem Einsatz von industriell erzeugten chemischen Zusatzstoffen den gesundheitlichen Verfall der Menschen. Sie treibt sie damit in die Arme der Mediziner, die dies auch ausnützen. Die so entstanden „Mehrklassengesellschaft“ erzeugt Unsicherheit bei der breiten Masse, die sich die 1. Klasse nicht leisten kann

Im Bereich der Politik macht sich durch den wachsenden Korruptionssumpf samt krimineller Vorgehensweise mancher Politiker, ebenfalls eine Politik-Verdrossenheit breit.

Und im Bereich der zwar schon unübersichtlich, massenweise angebotenen Unterhaltung findet man nur selten das, was einem wirklich anspricht.

Die Alltags- als Ausgangssituation ist also wenig rosig und verlangt dauerndes Anpassen an geänderte Situation sowie Verdauen von Enttäuschungen!

Was der Mensch wirklich will

Der Mensch strebt in erster Linie nach Sicherheit, Geborgenheit und Gesundheit um sich, wenn diese Zustände gesichert sind, erst den nächsten Stufen in seiner Erfüllung zuzuwenden.

Wenn diese Bedürfnisse nur schwer erreichbar sind, so sucht er nach Ersatz. Weniger gefestigte Menschen verfallen dem Alkohol oder anderen Suchtmittel, wieder andere werden zu Spielern oder verirren sich in Sekten. Gefestigtere aber suchen nach Ersatzmöglichkeiten, die es ihnen ermöglicht, auch in dieser unwirtlichen Umwelt schöne Stunden und Momente zu erleben.

b.)    Was der Ritterbund bieten kann

Mag es beim ersten kurzen Hinsehen als „Spinnerei“ aussehen, so sollte man sich die gebotenen Möglichkeiten, die über die eines normalen Vereinsgeschehens hinaus gehen, doch näher betrachten.


Erfüllung des Bedürfnisses nach Romantik

Wir feiern unsere Kapitel (= Zusammenkünfte) in einem, einer Burg nachgestellten, Raum, der uns mental in eine andere Zeit versetzt. Während des Kapitels gibt es hauptsächlich Kerzenschein. Wir verwenden teilweise bewusst „althergebrachte Ausdrücke“ und reden uns in der dritten Person (Wir, Ihr, usw.) an. Wir kleiden uns auch, nach Möglichkeit in, dem Altertum nachempfundenen Gewändern.

Ein Pilgrim (= noch kein zum Bund Gehörender) brachte es einmal auf den Nenner, als er Uns berichtete: „Wenn ich einem Eurer Kapitel beiwohnen kann, dann vergesse ich in dieser Zeit alles andere, meine privaten Sorgen und überhaupt alles was sich außerhalb dieses Raumes abspielt!“

Ein schöneres Kompliment hätte er Uns und eine treffendere Feststellung hätte er nicht abgeben können.

 

Erfüllung seiner geheimen Lebensziele und -wünsche

In fast jedem Menschen stecken Talente – oft bleiben sie aber ein Leben lang verborgen. Schade darum! Die Möglichkeit zum Ausleben der eigenen Talente würde vielen Menschen ein erfüllteres Leben ermöglichen.

Bei unseren Kapiteln werden Talente gefördert. Zur Gestaltung eines Kapitels sind mehrere Personen notwendig. Jeder hat klar umrissene Aufgaben zu erfüllen. Hier kann man seine Talente einsetzen. Ob es Gedichte, Aufsätze, Lieder sind oder ob man lieber das Kapitelbuch schmückt. Ob man als Chronist das Kapiteltagebuch verfasst oder als Schatzmeister den Vereinsschatz hütet, ober man als Burghauptmann für die Sicherung der Burg verantwortlich zeichnet, als Kellermeister den Humpen aus dem tiefen Keller holt und die Humpenkreisung vollzieht, als Pfaff sich um das Seelenheil der Sassen (= Anwesenden) kümmert oder als Freigraf Verfehlungen während des Kapitellaufs ahndet, bei Uns findet jeder Mann ein geeignetes Betätigungsfeld. Auch für Frauen gibt es geeignete Wirkungsfelder, nur können sie keine Ritter werden. Alleinstehende Frauen können in den Rang einer „Edlen“ aufsteigen.

Und man muss das nicht sofort können – es gibt einen ausreichend langen Weg zur Erlernung der notwendigen Sprache und Handlungen. Auch gibt es Hilfe durch den Junkermeister – einem erfahrenen Ritter. Und die Schnelligkeit beim Erlernen bestimmt man auch selbst.

Wir streben an: Sich nicht gestalten zu lassen sonder selbst zu gestalten!

Erfüllung des Bedürfnisses nach Sicherheit

Unsere Kapitel laufen nach einem weitgehend vorgegeben Ablauf ab. So weiß jeder Sasse, was wann ablaufen wird. In der Burgordnung sind die Regeln, die man im Ablauf seiner Lehrzeit (Pilgrim – Ansuchender – Knappe – Junker – Ritter) aufnimmt, und als Ritter immer befolgt, festgelegt.

Erfüllung des Bedürfnisses nach Unterhaltung

Die Unterhaltung ist einer der wichtigsten Bestandteile des Kapitels. Sei es die formlose Unterhaltung zwischen Sassen vor, in den Lüftungspausen (= keine geregelter Kapitelablauf) und nach Kapitelende, oder sind es von anderen Sassen dargebrachte oder selbst gestaltete Vorträge mit tiefsinnigem, nachdenklichem oder heiterem Hintergrund.

Nur eines ist streng verpönt (=nicht gestattet) – über Politik und Religion zu sprechen!

Auch Anglizismen werden nicht gerne gesehen.

Erfüllung des Bedürfnisses nach Freundschaft

Einen echten, wahren Freund zu haben ist, neben der Gesundheit und der Freiheit einer der wichtigsten Kostbarkeit im Leben.

Doch kann Freundschaft nicht verordnet werden. Sie muss gefunden, errungen und gehalten werden. Für das gibt es keine Regeln, keine Vorschriften – hier hilft nur Fingerspitzengefühl, Ehrlichkeit und Wollen – und die muss jeder Sasse selbst mitbringen. Wir im Ritterbund können nur die Kulisse bilden, im Rahmen der man die Charakterzüge der Sassen besser erkennen kann. Um wessen Freundschaft es sich dann zu bemühen lohnt, ist jedem selbst überlassen.

Im Ritterbund wird es einem ermöglicht, die eigenen geheimen Wünsche nach Selbsterfüllung mehr oder weniger selbst zu erfüllen. Man muss es nur wirklich wollen!

 

c.)    Wie man ein Mitglied des Ritterbundes werden kann?

Wenn man Mitglied im Ritterbund werden möchte, so soll dies gut überlegt werden. Man kann vorerst einige Male an Kapiteln teilnehmen und sich so ein Bild vom Leben in einem Ritterbund machen. Wenn man dann den Drang spürt ein Ritter oder eine Burgfrau zu werden, dann sollte man dies dem Großmeister (= Obmann) mitteilen. (Siehe Startseite - Ansprechpartner)

Der Name des um Aufnahme Ansuchenden wird in der Folge auf ein Schild geschrieben und so allen Sassen der Aufnahmewille kundgetan.

An einem vorbestimmten Termin wird durch Kugelung dann die Aufnahme in den Ritterbund von allen Sassen gut geheißen oder abgelehnt.